Marketing-Theorie spricht gern von der Customer Journey wie von einer ordentlichen U-Bahn-Linie: Awareness, Consideration, Conversion, Retention. In Wahrheit ist es bei Salons eher ein Wimmelbild mit sieben Touchpoints, die zueinander zeigen und sich gegenseitig bedingen.
Die sieben Touchpoints
1. Erste Wahrnehmung (Google, Instagram, Empfehlung)
Die meisten Neukunden kommen über Google-Suche („Friseur in München-Schwabing") oder Instagram-Empfehlung. Eine Empfehlung aus dem persönlichen Umfeld ist die Premium-Variante, sie konvertiert am besten. Aber sie ist nicht skalierbar — Google und Instagram sind es.
2. Profil-Check (Bewertungen, Fotos, Öffnungszeiten)
Innerhalb von 30 Sekunden entscheidet sich, ob der Klick weitergeht. Bewertungen über 4.5, ein aktuelles Foto, klare Öffnungszeiten — wenn das fehlt, scrollt die Person weiter zum nächsten Salon. Hier verlieren die meisten Salons gleich am Anfang.
3. Buchungs-Versuch
Hier wird es kritisch: Service auswählen, Termin finden, Kontakt eingeben. Wenn das mehr als drei Klicks dauert oder unklar ist, springt die Person ab. Conversion-Rate von gut gebauten Buchungsstrecken liegt bei 60 bis 80 Prozent, schlecht gebaute landen unter 25 Prozent.
4. Bestätigungs-Mail
Erster echter Berührungspunkt mit deiner Marke. Eine gut gestaltete Mail mit Termin-Details, Adresse, Anfahrt und einem persönlichen Satz ist eigenständige Conversion-Bestätigung. Generische Standard-Mails wirken unprofessionell.
5. Termin selbst
Hier passiert das eigentliche Service-Erlebnis. Begrüßung, Wartezeit, Beratungs-Qualität, Endergebnis. Schwer zu standardisieren, aber Stammkunden machen sich genau hier oder nicht.
6. Nachgang (Rechnung, Reminder, Follow-Up)
Rechnung sauber, Bewertungs-Anfrage zwei Tage später, vielleicht ein nettes „bis zum nächsten Termin" zur passenden Saison. Subtil, nicht aufdringlich — sonst wirkt es wie Mailing-Tool.
7. Zweite Buchung
Wenn die zweite Buchung innerhalb von 8 Wochen kommt, hast du einen Stammkunden in Aussicht. Wenn nicht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Kunde zu einem anderen Salon gewechselt ist.
Die drei häufigsten Stolperfallen
- Profil sieht im Google-Pack tot aus (keine aktuellen Fotos, keine Bewertungen). 50 Prozent der Interessenten springen hier ab.
- Buchungsstrecke hat mehr als drei wirklich nötige Klicks. Conversion-Rate kollabiert mit jedem zusätzlichen Schritt.
- Nach dem Termin: nichts. Keine Bewertungs-Anfrage, kein Reminder zur nächsten Saison, kein Lebenszeichen. Dabei wäre genau das der Punkt, an dem aus einem Erstkunden ein Stammkunde wird.
Das Schöne an der Customer Journey: jeder Touchpoint ist einzeln optimierbar. Wer alle sieben Punkte um nur 10 Prozent verbessert, hat am Ende doppelt so viele Stammkunden — nicht weil etwas Magisches passiert, sondern weil sich die Effekte multiplizieren.



